Donnerstag, 29. August 2013

Brettgeflüster #2 - Sechsstädtebund

Artikel von Romconstruct

Worum gehts denn?

Endlich mal mal nicht vor dem Fiskus fliehen sondern Teil des Systems sein. Was für ein Traum. Gut ob das nun so ein Traum ist sei mal dahingestellt, aber der Alttag des Steuereintreibers ist das, was die Spieler in Sechsstädtebund erwartet. Doch nicht etwa der moderne Alltag ist hier gemeint, nein es verschlägt die Spieler zurück in das Jahr 1430 in die schöne Oberlausitz. Denn dort sitzt das Geld und ein Bund aus Städten, 6 an der Zahl wer hätte das gedacht, versucht sich eben jene Reichtümer auch weiter zu bewahren, bei all den Unruhen die im deutschen Kaiserreich herrschen von den Hussitenkriegen ganz zu schweigen.


Was ist drin?



 Sechsstädtebund - Box


Neben dem obligatorischen, und im Fall von Sechsstädtebund sogar mit leichtem historisches Bildungsauftrag daher kommenden, Regelheft finden sich viele bunte Spielsteinchen, Karten und größere Pappteile im Karton. Das Spielmaterial ist dabei nicht extrem hochwertig, aber es ist insgesamt durchaus in Ordnung. Hervorzuheben sind die "Kutschen" der Spieler, die eher wie abstrakte Holzelefanten wirken. So entwickelt sich bei jeder Runde mit einem Neueinsteiger gerne mal ein Dialog a la "Was soll das denn sein?" "Ne Kutsche." "Das ist doch keine Kutsche. Eher ein Elefant oder so." Schön wenn ein Spieleabend spaßig beginnen kann.


Sechsstädtebund - Spieler Pfredekarren mit Waren

Das Spielbrett besteht dabei aus 2 Hauptteilen, dem Lager und den Städten bzw. einem Spiel-Plan-Dings wo die Städte angelegt werden können.


Sechsstädtebund - Lager


Sechsstädtebund - Städte-anlege-Dings

Dazu kommen, ebenfalls als Pappkarten, 6 Städte der Oberlausitz, dazu gehörig 6 Spielkarten die ebenfalls die Städte abbilden. Sie dienen dazu in jeder Runde festzulegen welche Stadt gerade dummerweise von den Hussiten belagert wird und deshalb als Einnahmequelle nicht zur Verfügung steht.


Sechsstädtebund - Städte-Karten


Weiterhin gibt es noch diverse kleine Spielkarten in Form von Rekruten, die Währung des Spiels, und Ständekarten. Denn damals gab konnte die Welt noch einfacher in Schubladen unterteilt werden. So gibt es Adlige, Geistliche und einfache Handwerker die es zu sammeln gilt um am Ende noch ein paar Gunstpunkte mehr einheimsen zu können.


Sechsstädtebund - Rekruten-Karten


Sechsstädtebund - Stände-Karten

Zu guter Letzt gibt es noch die wichtigen Steuermarken, die in jeder Runde neu auf die Städte verteilt werden um festzulegen was man in der zugehörigen Stadt abgreifen kann um es dem König zukommen zu lassen und die Pferde-Gespanne die man vor seinen Karren spannen kann um die Einnahmen schnellstmöglich transportieren zu können.


Sechsstädtebund - Steuermarken


Sechsstädtebund - Pfredegespanne


Was sagen die Regeln?


Sechsstädtebund - Regelheft

Das Regelheft ist relativ übersichtlich gestaltet, bietet gute Beispiele und macht es Einsteigern relativ einfach. Gerade mal 6 Seiten, gefüllt mit Text und Grafik wollen überflogen werden und schon kann man sich ins Spiel stürzen. 

Das System der Siegpunkte ist dabei nicht neu und schon seit einigen Jahren Gang und Gäbe bei Brettspielen. Man hat also eine Leiste wo sich der aktuelle Spielstand jederzeit ablesen lässt und man sich somit das lästige notieren mit Zettel und Stift ersparen kann.

Einzig etwas komplizierter ist die jeweilige Festlegung der Zugreihenfolge. Denn so will die Spielmechanik gewährleisten das kein Spieler allen anderen davongaloppieren kann, im wahrsten Sinne des Wortes. Wer also in einer Runde besonders gut abgeschnitten hat, darf sich darauf erst mal wieder schön hinten anstellen.

Insgesamt ist das Spiel aber recht freundlich zu Einsteigern und auch durchaus mal empfehlenswert um Leute an ähnliche Systeme heranzuführen. Sprich Spiele in denen es darum geht Waren zu sammeln und diese gewinnbringend einsetzen zu können. Hier ist Sechsstädtebund durchaus einer der einfacheren Ableger, gerade wenn es um den Einstieg geht.

Wie geht es denn jetzt genau?

Im Prinzip gibt es zwei zentrale Elemente im Spiel. Die Phase in der es darum geht sich eine Stadt zu sichern und die Phase in der man seine Steuereinnahmen im Lager abliefern muss. 

So beginnt jede Spielrunde damit das die Steuermarken auf die Städte verteilt werden um den Städten somit eine gewisse Wertigkeit zu geben. Denn je nach Marke, lässt sich mehr aus einer Stadt herausholen. Dummerweise ziehen die Hussiten marodierend durchs Land und belagern in jeder Runde eine neue Stadt. So kommt es dann in der Regel dazu, dass sich mehrere Spieler um eine Stadt streiten. Um hier eine Entscheidung herbeizuführen, geht es ran an das gute alte Feilschen. Hat ein Spieler sich für eine Stadt entschieden und der nächste Spieler kommt vorbei und möchte die gleiche Stadt besuchen, kann er dem ersten Spieler ein Angebot an Rekruten machen auf das dieser wieder von dannen zieht. Darauf kann der Spieler in der Stadt eingehen, oder den Preis weiter hochtreiben, bis eine Einigung erzielt wurde.

Der Spieler der wieder aus der Stadt ziehen muss, bekommt nun die ausgemachten Rekruten und geht zur nächsten Stadt. Auch dort kann natürlich schon jemand sitzen und das Spielchen geht von vorne los. Allein dass Gefeilsche kann schon ein großes Spaß sein. Dabei schafft das Spiel auch eine gute Gratwanderung. Man kann lange feilschen, ohne das es dabei jedoch zu lange dauern wird. Denn irgendwann ist einfach mal Schluss und über bestimmte Höchstgrenzen hinweg kann einfach nicht mehr geboten werden. Auch wenn man noch mehr Rekruten auf der Hand hat.


Sechsstädtebund - Stadt mit Steuermarke

Wenn die Steuereintreiber dann ihre Städte gefunden haben können Sie die dort ausliegenden Steuermarken so drehen wie sie es am sinnvollsten halten. Denn die Pfeile der Marken entscheiden darüber welche Waren, oder auch Pferde, Ständekarten oder Rekruten man bekommt.

Den Pferden kommt dann auch eine hohe Bedeutung zu. Denn wer bei den Steuereinnahmen die meisten Gäule für sich verbuchen kann, bekommt das schnellste Pferdegespann und kann daher seine Waren als erster im Lager abliefern. Das wiederum ist insofern wichtig als das er so andere Spieler dazu zwingen kann, Waren für ihn mit einzuzahlen. 


Sechsstädtebund - Lager-Karte

Ein Lager besteht wenn man so will aus Zeilen und Spalten. Die erste Spalte mit den großen Zahlen repräsentiert dabei den Zusatzgewinn, den der Spieler erzielen kann der die zugehörige Zeile ausgewählt hat. Den bekommt er allerdings nur, wenn die Zeile auch komplett mit Waren gefüllt wird. Es ist somit aber theoretisch möglich, dass ein Spieler mit dem schnellsten Pferdegspann als Erster ankommt, gar keine Waren hat aber dennoch wie hier im Beispiel die zweite Zeile auswählt die 5 Punkte wert ist. Jetzt müssen alle Spieler der Reihe nach ihre Waren abgeben bis die Reihe voll ist. Angenommen ein Spieler hat nun 2 rote Waren, so muss er diese einzahlen und bekommt dafür 3 Punkte. Der nächste Spieler hat vielleicht zwei blaue Waren und muss diese ebenfalls für 3 Punkte abgeben. Damit ist die Reihe voll und der erste Spieler, der gar keine Waren eingezahlt hat bekommt satte 5 Punkte.

Der restliche Teil des Spiels läuft dann eher im Kopf der Spieler ab. Denn man muss eben überlegen wie hoch man pokern kann und welche Strategie man fahren will. Lieber Rekruten sammeln um eine Runde später die beste Stadt erfeilschen zu können. Aufs beste Pferd setzen und zu erst im Lager ankommen? Möglichst viele Waren mitnehmen?  Die Grübelphasen halten sich dabei aber durchaus noch in angenehmen Grenzen und es steht keine Situation wo ein Spieler minutenlang überlegt und der Rest sich langweilt.


Sechsstädtebund - Spielfeld

Was kann ich alles kaufen?

Das Grundspiel ist bei einigen Händlern, wie auch bei einem großen Online-Händler mit A... aktuell scheinbar vergriffen. Da werden schon mal schnell Liebhaberpreise über 50€ gefordert, wobei das Spiel ursprünglich mal im 30€ Bereich angesiedelt war. Von daher kann man durchaus mal zuschlagen wenn man es irgendwo günstig sieht. Denn bis 30€ ist der Preis noch fair, alles darüber ist dann doch zu viel des Guten.

Wer dann noch nicht genug hat kann sich für grob 10€ noch die Erweiterung Treues Gefolge gönnen. Allerdings darf man dort auch nicht mehr erwarten als man für 10€ bekommen kann. Mit der Erweiterung kann man zu sechst spielen und es kommen neue Steuermarken und somit auch weitere neue Mechaniken ins Spiel. Allerdings verliert Sechsstädtebund dadurch auch eine recht positive Eigenschaft, nämlich recht kurzweilig zu sein. Mit geübten Spielern lässt sich eine Runde durchaus in unter einer Stunde bewältigen, mit Frischlingen dauert es kaum sehr viel länger. Je nach Spielrunde kann es aber durchaus nett sein mal frischen Wind ins Spiel bringen zu können. Von daher kriegt auch die Erweiterung den Daumen nach oben.

Wie ist deine Meinung zum Spiel?


Sechsstädtebund - Gefülltes Lager

Ich habe Sechsstädtebund mal irgendwo als Geheimtipp gefunden und genau als das würde ich es auch bezeichnen. Die Idee mit dem Feilschen ist klasse, der Rest des Spiels findet sich in diversen Formen auch in anderen Spielen der Kategorie "Warenwirtschaftsgrübellei im Siegpunkte zu gewinnen" wieder. Aber wo viele andere Vertreter sehr komplex sind und mehrere Stunden Aufmerksamkeit an einem Abend verlangen, ist Sechsstädtebund ein tolles Spiel um einen Abend strategisch zu starten und dann noch Raum für andere Kandidaten zu haben. Oder für zwei oder gar drei weitere Runden als Steuereintreiber.

Von daher ganz klare Empfehlung und die volle Anzahl Gummipunkte.



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